Diskussionen, Berichte aus den Vorjahren und Bilder zeigen besorgniserregend, in welchem Ausmaß der Katholikentag mit dem Etikett katholisch als Propaganda-Plattform für alle möglichen ideologischen und politischen Ansichten missbraucht wird. Diese liberalen Ideologien stehen im Einklang mit der modernen Welt und viele von ihnen sind antichristlich oder sogar antikatholisch. Es ist beunruhigend, dass durch diese Veranstaltung ideologische und politische Positionen, die dem Lehramt und der katholischen Tradition widersprechen, Einzug in die Kirche halten.

 

Der Veranstalter, das „Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK)“, ist bereits als fortschrittliches und liberales Gremium bekannt, das mit seinen Forderungen nach unerhörten Reformen in den Bereichen Sexualmoral, Familie und priesterliche Amtsgewalt den Eindruck erweckt, dass es ständig in Rebellion gegen Rom agiert.

Was diese weitgehend Laienvertretung zusammen mit dem Synodalen Weg fordert, ist ein Skandal, indem theologische Fragen politisch behandelt werden, als wäre das katholische Lehramt das Ergebnis eines parlamentarischen Diskurses und nicht der ewigen Wahrheit Gottes verpflichtet. Es ist die Französische Revolution in der katholischen Kirche. 

 

Der radikale Ökumenismus des Zweiten Vatikanischen Konzils hat in den letzten Jahren sowohl in lehrmäßiger als auch in praktischer Hinsicht zu solch dramatischen Fehlern geführt. Aus Angst vor dem Ausbluten der Mitglieder, die aus der Kirche austreten, gibt die Kirche vor, den Weg des Aggiornamento zu gehen, um eine „coole Kirche“ zu werden, die sich jeder aktuellen Ideologie und Lebensweise anpasst. 

Salus animarum suprema lex ... Das Heil der Seelen ist das höchste Gesetz der Kirche. Aber wenn die Kirche nicht mehr an das Heil der Seelen, an die Gnade der Sakramente glaubt, wenn sie sich vom Lehramt der 2000-jährigen Tradition entfernt, wenn sie sich mehr um die soziale Probleme der Gegenwart wie Umwelt oder Kapitalismus kümmert als um den Glauben und die Erlösungsgeheimnisse unseres Herrn Jesus Christus... ist diese Kirche dann nicht zum Scheitern und zum Untergang verurteilt? 

 

Diese Woche werden wir auf dem Katholikentag wieder einmal sehen, dass der heiligste Schatz der Kirche, das Allerheiligste Sakrament des Altars, wieder zum Gegenstand von Rebellion und Spaltung wird. Sogar ein Grund für ein Sakrileg, wage ich zu behaupten. Bereits seit 2018 unterstützt die Mehrheit der deutschen Bischöfe die Idee, Protestanten die heilige Kommunion zu spenden. Als Argument wird angeführt, dass dies „in Einzelfällen“ und nicht als „allgemeine Regel“ geschehen wird. Das ist eine Täuschung! Das ist eine reine rhetorische Maske, eine Fehlinformation: Es geht darum, dass auch in diesen Einzelfällen die heilige Kommunion regelmäßig angeboten wird, wie seit Jahren fast überall in Deutschland geschieht.

 

Diese Entscheidung steht nicht nur gegen die Tradition sondern auch gegen das kanonische Recht (Codex Iuris Canonici). Die Spendung des Sakraments an übrigen nicht in der vollen Gemeinschaft mit der katholischen Kirche stehenden Christen steht im CIC 1983, can. 844 § 3 (CIC 1917, can. 731, § 2) und sieht das NUR bei Todesgefahr oder einer anderen schwerwiegenden Notwendigkeit vor, und auch nur dann, wenn sie sich zum katholischen Glauben bekennen und dazu bereit sind - im Grunde genommen in einer sehr dringenden Situation, in der formale Schritte zur Bekehrung angesichts einer schnellen Entwicklung der persönlichen Situation des Nichtkatholiken nicht möglich sind.[1]

 

Hier sind die Worte von Exzellenz Charles Chaput, Erzbischof von Philadelphia in den USA, der bereits vor einigen Jahren zu diesem Thema gesprochen hat, sehr wertvoll. Die Reflexion seiner Worte finde ich sehr wichtig, deswegen zitiere den Text fast in seiner Gesamtheit: 

 

Wer wann und wo die Eucharistie empfangen darf, sind keine rein deutschen Fragen. (…) Sie betreffen uns alle. Angesichts dieser Tatsache möchte ich folgende Punkte als Anregung zum Nachdenken und zur Diskussion vorbringen, wobei ich einfach als einer von vielen Diözesanbischöfen spreche:

 

1. Wenn die Eucharistie wirklich Zeichen und Instrument der kirchlichen Einheit ist, definieren wir dann nicht de facto neu, wer und was die Kirche ist, wenn wir die Voraussetzungen für die Kommunion ändern?

 

2. Der deutsche Vorschlag wird - ob beabsichtigt oder nicht - genau das unweigerlich zur Folge haben. Er stellt den ersten Schritt zu einer Öffnung für den Kommunionempfang aller Protestanten oder aller Getauften dar, da die Ehe letztlich nicht den einzigen Grund bietet, Nicht-Katholiken zur Kommunion zuzulassen.

 

3. Die Kommunion setzt einen gemeinsamen Glauben und ein gemeinsames Bekenntnis voraus, das den übernatürlichen Glauben an die Realpräsenz Jesu Christi in der Eucharistie sowie die sieben von der beständigen Tradition der katholischen Kirche anerkannten Sakramente einschließt. Durch eine Neuverhandlung dieser Tatsache übernimmt der deutsche Vorschlag gewissermaßen eine protestantische Auffassung kirchlicher Identität. Die Taufe und der Glaube an Christus scheinen auszureichen - nicht der Glaube an das Geheimnis des Glaubens, wie es von der katholischen Tradition und ihren Konzilen verstanden wird. Wird der evangelische Ehepartner an die Weihe glauben müssen, so wie sie von der katholischen Kirche verstanden wird, was logisch mit dem Glauben an die Konsekration von Brot und Wein zu Leib und Blut Christi verbunden ist? Oder wollen die deutschen Bischöfe vielleicht andeuten, dass das Weihesakrament nicht von der apostolischen Sukzession abhängt? In einem solchen Fall stünden wir vor einem weitaus tiefergehenden Irrtum.

 

4. Der deutsche Vorschlag löst die entscheidende Verbindung zwischen Kommunion und sakramentaler Beichte. Vermutlich setzt er nicht voraus, dass evangelische Ehepartner schwere Sünden vor der Kommunion beichten müssen. Dies steht jedoch im Widerspruch zur langjährigen Praxis und ausdrücklichen dogmatischen Lehre der Katholischen Kirche, des Konzils von Trient und des neuzeitlichen Katechismus der Katholischen Kirche als auch des ordentlichen Lehramts. Es würde im Ergebnis vielmehr eine Protestantisierung der katholischen Sakramententheologie bedeuten.

 

5. Wenn die Lehre der Kirche übergangen oder neu verhandelt werden kann, sogar eine Lehre, die auf einem Konzil definiert wurde - wie in diesem Fall in Trient -, können dann alle Konzile historisch relativiert und neu verhandelt werden? Viele liberale Protestanten stellen die Lehre des Konzils von Nicäa über die Gottheit Christi in Frage, weisen sie zurück oder nehmen sie als historischen Ballast einfach nicht zur Kenntnis. Wird man von evangelischen Ehepartnern fordern, an die Gottheit Christi zu glauben? Wenn sie an die Realpräsenz Christi im Sakrament glauben müssen, warum ist es dann nicht notwendig, dass sie den katholischen Glauben an die Weihe oder das Sakrament der Buße teilen? Wenn sie an alle diese Dinge glauben, warum lädt man sie dann nicht ein, katholisch zu werden, um so auf sichtbare Weise in die volle Gemeinschaft einzutreten?

 

6. Wenn die Protestanten zur katholischen Kommunion eingeladen werden, werden die Katholiken dann immer noch vom protestantischen Abendmahl ausgeschlossen? Wenn ja, warum? Wenn sie nicht ausgeschlossen werden, würde das dann nicht bedeuten, dass die katholische Sicht über die Weihe und die gültige eucharistische Konsekration in Wirklichkeit falsch ist, und wenn sie falsch ist, dass der protestantische Glaube wahr ist? Wenn die Interkommunion nicht die Absicht hat, eine Gleichstellung in der katholischen und protestantischen Bereitung der Eucharistie zum Ausdruck zu bringen, dann führt die Praxis der Interkommunion die Gläubigen in die Irre. Ist das nicht ein Fall wie aus dem Lehrbuch für einen "Stein des Anstoßes"? Und wird es nicht von vielen als eine höfliche Form der Täuschung oder des Verdeckens einer harten Lehre innerhalb des Kontextes der ökumenischen Diskussion angesehen werden? Die Einheit kann nicht auf einem Prozess aufgebaut werden, der systematisch die Wahrheit unserer Unterschiede kaschiert.

 

Der deutsche Vorschlag der Interkommunion besagt im Wesentlichen, es gäbe selbst ohne wahre kirchliche Einheit eine gemeinsame Teilhabe an der heiligen Kommunion. Das berührt die innerste Wahrheit des Sakraments der Eucharistie, weil die Eucharistie von ihrem Wesen her der Leib Christi ist. Und der "Leib Christi" ist sowohl die reale und wirkliche Präsenz Christi unter den Gestalten von Brot und Wein als auch die Kirche selbst, die mit Christus, ihrem Haupt, vereinte Gemeinschaft der Gläubigen. Die Eucharistie zu empfangen heißt, feierlich und öffentlich vor Gott und in der Kirche zu bekennen, dass man sowohl mit Jesus als auch mit der sichtbaren Gemeinde, die die Eucharistie feiert, eine Gemeinschaft bildet.[2]

 

  

Die Protestantin Bettina Limperg empfängt von Stadtdekan Johannes zu Eltz die Kommunion. Bild: KNA 

 

 

Wir könnten uns nun fragen, ob wir, dem Titel entsprechend, Protestanten werden sollten, um gute Katholiken zu sein. Heutzutage scheint es in so vielen Denkweisen und in den Entscheidungen der meisten Bischofskonferenzen das Ziel zu sein, eine einzige „christliche Kirche“ zu erreichen, so dass Katholiken und Protestanten ihre religiösen Feste gemeinsam feiern können, ohne konkrete Unterschiede, mit sehr ähnlichen Arten, die Welt zu sehen, mit den Problemen der Welt auf ähnliche Weise umzugehen, und alles Katholische wird versucht, aus der Liturgie und den Lehren zu entfernen, um ein bisschen politisch korrekter zu sein, um „unsere Brüder im Glauben“ nicht zu stören oder zu verärgern.  

Die jüngste Entscheidung des Bistums Köln, Religionsunterricht für Kinder gemeinsam mit Protestanten anzubieten, geht in die gleiche Richtung wie das, worüber wir gesprochen haben. Wie sollen die katholischen Kinder damit jemals das heilige Messopfer, die sieben Sakramente, das Papsttum, die Mariendogmen, die ganze Heilsvermittlung durch die Kirche verstehen? 

 

Eine Kirche, die sich nicht mehr als Besitzerin der Wahrheit versteht, hat kein Problem damit, Wahrheit mit Irrtum gleichzusetzen. Das ist die Denkweise, die schon im letzten Jahrhundert gekocht wurde, wie der berühmte progressive Konzilsvater Dom Helder Câmara sagte und schon seit dem Zweiten Vatikanum glaubte, dass die Kirche nur die Aufgabe hat, hier und da ein wenig Licht in den Kampf gegen Hunger, gegen Armut und die sozialen Probleme von heute zu bringen. 

 

Ich glaube nicht, dass wir in den nächsten Tagen etwas Neues, Katholisches sehen werden, sondern einen immer stärkeren Impuls gegen die Moral des kirchlichen Lehramtes, gegen die Sakramente, gegen das katholische Priestertum, eine immer aktuellere Anpassung an die Ideologien und die Politik der Zeit. 

Nichts könnte passender sein, als diesen Artikel mit einem Zitat des damaligen Prof. Joseph Ratzinger, heute Papst Emeritus Benedikt XVI., im Bamberger Katholikentag vom 14. Juli 1966 zu beenden, der schon damals mit Sorge und Kritik den progressiven Eifer sah, der sich immer weiter vom Glauben entfernt: 

 

„Eines aber, glaube ich, kann auf jeden Fall gesagt werden: Eine Weltzuwendung der Kirche, die ihre Abwendung vom Kreuz darstellen würde, könnte nicht zu einer Erneuerung der Kirche, sondern nur zu ihrem Ende führen“. 

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